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Geli K.

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Counting Sheep – eine Guerilla-Folk-Oper,
initiiert von Mark und Marichka Marczyk

Was für eine Aufführung! Ich vermute, keiner der Besucher
hat erwartet, was da auf uns zugekommen ist.

Counting Sheep ist eine sehr persönliche und sehr emotionale Auseinandersetzung der Initiatoren mit der ukrainischen Revolution
des Jahres 2014. Sie waren auf dem Maidan dabei und haben alles durchlebt: Euphorie, Zusammenhalt, Hoffnung und Gewalt.

Stellen Sie sich vor, Sie sitzen gemütlich mit Freunden beisammen, trinken, essen, scherzen – und plötzlich bricht eine Welle der Gewalt über Sie herein. Sie erleben die Brutalität der Polizei und Soldaten, kämpfen gegen die Übermacht der Staatsgewalt, bauen Barrikaden und werfen Steine. Sie erleben, wie der „Feind“ sich zurückzieht, freuen sich, tanzen – und dann, aus heiterem Himmel, kommt die Gewalt zurück und das Gemetzel geht weiter.

Und während des Geschehens im Raum (es gibt keine Bühne) sehen wir auf einer Leinwand Aufnahmen des Aufstands auf dem Maidan. Das sind keine schönen Bilder. Das ist (leider) Realität. Und eigentlich kommt man nicht umhin zu denken, wie sehr sie sich doch gleichen, diese Bilder vom Tian’anmen, Tahrir, Gezi, Maidan. Und angesichts dieser Gewalt fragt man sich doch unweigerlich: Was stimmt mit uns Menschen nicht? Diese Inszenierung lässt niemanden kalt. Es ist schon erstaunlich, wie sehr sich der Blickwinkel ändert, sobald man selbst quasi „betroffen“ ist. Die Interaktion verändert vieles, nicht nur das Verständnis von Theater.

Die 14 Akteure – um nicht zu sagen Animateure – haben eine hervorragende Leistung gezeigt. Das Lemon Bucket Orkestra (das vor 4 Jahren als Quartett angefangen hat und jetzt mit 15 Musikern unterwegs ist) war einfach mitreißend, ganz zu schweigen von den fantastischen Stimmen zu der zu Herzen gehenden und aus der Seele kommenden Folklore der Ukraine.

Obwohl ich kein Wort verstanden habe, war dies die emotionalste Aufführung, die ich je erlebt habe, nicht zuletzt dank dieser Musik, die es versteht, Unsägliches auch ohne Worte zu sagen.

Zu sehen ist diese Guerilla-Folk-Oper noch am 03./04./05. Mai jeweils um 20:00 Uhr und am 06. Mai um 18:00 und um 21:00 Uhr.

Meine Meinung: ein aufwühlendes Erlebnis, das man sich nicht entgehen lassen sollte.

 

Text: Angelika Körber
Fotots: 
Jeremy Mimnagh

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