Geschrieben von

Geli K.

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» Von Pondicherry nach Madurai
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    Das Abenteuer der Rundreise kann beginnen.

    Die erste Etappe ist Madurai, die 2500 Jahre alte Stadt am Vaigai-Fluss,

     mit dem berühmten Meehnakshi-Amman-Tempel

 

3:00 Uhr. Der Wecker klingelt. Ich quäle mich aus dem Bett. Pünktlich um 4:00 Uhr steht mein Fahrer mit seinem ziemlich neuen Wagen vor der Tür. Koffer einladen und dann geht es los. Es ist stockdunkel! Eine kleine merkwürdige Mondsichel hängt am Himmel – bei uns sieht die anders aus, ich bin sicher –, aber es sind keine Sterne zu sehen. Wir erreichen Pondicherry und ich traue meinen Augen nicht: Alle „Geschäfte“ sind geöffnet! Um die Uhrzeit! An einem Sonntag! Ich verkneife mir ganz schnell die Frage, wieso hier sonntags gearbeitet wird. Bin halt noch nicht ganz angekommen.

Höllischer Baulärm all überall, nicht nur in Pondicherry. Ganz Indien ist eine Baustelle und überall wird gearbeitet. Je weiter wir in die Stadt kommen, umso stärker wird der Verkehr. Da soll sich bei uns mal keiner aufregen von wegen Rushhour! Fahrräder, Motorroller, Tuktuks, LKW, PKW, Busse … alles fährt wild durcheinander. Da werden aus drei Spuren auch schnell mal fünf; es wird gefahren, wo gerade Platz ist, und wenn es auf der Gegenfahrbahn ist. Dass hier keine Unfälle passieren, grenzt schon fast an ein Wunder. Aber ich habe mir erklären lassen, das liegt daran, dass sich der Fahrer nur auf das konzentrieren muss, was vor ihm ist. Wenn von hinten jemand kommt, wird gehupt. Dann weiß man vorne, dass man nicht die Spur wechseln darf oder auf die andere Spur wechseln soll – aber nur, wenn von der anderen Seite nicht gehupt wird. Jaja, alles klar.

Wir fahren noch eine ganze Weile durch die Dunkelheit, die hier und da in den Dörfern und Städten von bunten Lichterketten erhellt wird. Es ist Februar – Hochzeitsmonat in Indien. Die Astrologen haben grünes Licht gegeben, einer gelungenen Ehe steht nichts im Wege und so wird allerorts geheiratet – natürlich auf den Hochzeitsplätzen. Es waren einige sehr prachtvoll geschmückte Hallen darunter, aber leider war mein Fahrer immer zu schnell, als dass ich sie hell erleuchtet hätte fotografieren können.

Gegen 8:00 Uhr wurde es dann endlich hell, aber was sage ich hell, es war diesig bis nebelig. Die Temperatur war draußen mittlerweile auf angenehme 28 °C gestiegen und ich habe mich in meinen Umhang gewickelt (ihr erinnert euch? Tiefkühlanlage im Auto!).

Gegen 10:00 Uhr (sechs Fahrstunden für rund 330 km) erreichen wir Madurai mit seinem berühmten Meenakshi-Amman-Tempel, um den sich wundervolle Geschichten ranken, die ich hier aber nicht erzählen werde, weil ich sonst kein Ende finde. Als Ausländer darf man, Gott sei’s geklagt, nicht alle Teile des Tempels, der eigentlich aus vier Gebäuden besteht, besichtigen. Witzigerweise darf man auch keine Fotoapparate mit in den Tempel nehmen – es sind nur Handycameras erlaubt. Diese Logik muss man sicher nicht verstehen.

Wie überall heißt es aber erst einmal: Schuhe aus. Danach laufen wir ca. 2 Stunden über Stein und Marmor durch die farbenfrohen Gänge. Der Tempel ist gigantisch! Fotos können diese Farbenpracht und die Größe der Statuen gar nicht wiedergeben.

     

 

Ganesha - heute mal in schwarz

Meehnakshi nach der Hochzeit mit Shiva (vorher hatte sie noch drei Brüste)

Doch auch die Umgebung hat sich dieser Farbenpracht angepasst, so dass ich manchmal ganz irritiert geguckt habe: Ist das jetzt noch Tempel oder schon Kommerz?

Gleich neben dem Osteingang gab es einen sehr alten, sehr schönen Bazar, der vor zwei Wochen abgebrannt ist. Kabelbrand. Jammerschade!

 

Hier werden übrigens die heiligen Kühe von den Betenden und Pilgern im Stall gefüttert – und wie es sich am Zustand der Tiere erkennen lässt, wohl nicht genug!

   

Überhaupt sehe ich hier sehr viel weniger Kühe als im Norden. Dafür eher mal Ziegen und Esel.

    

Nach dem Tempel schauen wir uns noch das Fort an, das im 19. Jahrhundert von den Briten bis auf ein kleines Gebäude zerstört wurde (wobei auch das noch gigantische Ausmaße hat).

     

Impressionen aus Madurai

          

Eine kilometerlange Straße - und nur Zwiebeln                 Farbenprächtige Häuser

Apropos Götter: Die sind hier allgegenwärtig. An jeder Straßenecke, in tiefster Wildnis stehen sie da und sorgen dafür, dass die Gläubigen auch schön brav bleiben.

  

   

 

Nach dem Mittagessen ging es weiter nach Munnar, der Stadt in den Kanan Devan Hills, in die sich die Engländer zurückzogen, wenn es im Sommer im Tal zu warm wurde. Es war mittlerweile fast 16:00 Uhr und das Thermometer war auf 34 °C geklettert, als wir uns an den Aufstieg machten. Aber vorher gab es für mich noch eine kleine Überraschung: Wir überquerten die Grenze von Tamil Nadu nach Kerala – und da gab es tatsächlich einen Schlagbaum und einen Beamten, der prüfte, ob wir auch eine Einreiseerlaubnis hatten. Und nicht nur das … die Einreise kostete Geld. Wäre ja vielleicht auch für NRW eine Idee, um Geld einzunehmen.

Munnar liegt ca. 1600 m hoch und ist bekannt für seine Teeplantagen, deren Besichtigung ich mir nicht nehmen lassen wollte. Aber so weit sind wir noch nicht.

Es ging höher und höher hinauf in die Berge und ich fragte mich schon, wo hier noch was kommen sollte, da gab es plötzlich Anzeichen menschlicher Behausungen. Munnar? Kann nicht sein! War es auch nicht. Nachdem wir den Gipfel erreicht hatten, ging es wieder bergab … und wieder bergauf … und wieder bergab. Das Ganze auf ziemlich schlechten Straßen, Feldwegen, Schotterwegen. Und plötzlich ergab die dauernde Huperei richtig Sinn. Wenn uns in den engen Kurven (und vor allem bei dem Tempo, das hier vorgelegt wird) unverhofft ein anderes Fahrzeug entgegengekommen wäre, es wäre nicht auszudenken gewesen. Aber so wusste man ja früh genug, dass man nicht alleine unterwegs war.

        

Und so fuhren wir gute 3 Stunden durch diese wunderbare Landschaft, die nicht umsonst das Schottland Indiens genannt wird (obwohl auch hier nichts mit dem schottischen Grün mithalten kann).

Langsam wurde es dunkel, ohne dass ich auch nur den Stadtrand von Munnar gesehen hätte. Was war geschehen? Hatte sich der Erdboden aufgetan und Munnar verschlungen? Nein, mein Fahrer hat sich einfach verfahren, aber auch nur, weil er mich in einem ganz besonderen Hotel unterbringen wollte, das ihm empfohlen worden war, das er aber selbst noch nicht kannte. Glücklich war ich erst einmal nicht, aber ich war froh, endlich angekommen zu sein, und so sitze ich nun inmitten der Wildnis, die Grillen zirpen heimelig und ich bin voller Erwartung, ob wir Munnar vielleicht morgen erreichen.

 

Fotos und Text: Angelika Körber

[ENDE]

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