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Harry

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» Theater wie im Kino – Glassbooth: Das Produkt
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"Und die Macht sprach zu mir: Hol dir einen großen Star!"

Neue Galerie Gladbeck
6. September 2013
Mark Ravenhill: Das Produkt
In einer Inszenierung des Theater glassbooth

Es beginnt mit einem Drehbuch, wie es mieser nicht sein kann. Filmproduzent James erzählt der Schauspielerin Olivia, die er unbedingt für die Hauptrolle seines neuesten Werkes gewinnen will, mit großem Pathos den Plot: Eine junge, etwas naive Geschäftsfrau aus England, Amy, deren Freund beim 9/11-Anschlag auf das World Trade Center umkam, verliebt sich in einen islamistischen Terroristen namens Mohammed. Ihre Rachegefühle gehen bald in einer Mischung aus Lust und Hörigkeit unter. Schritt für Schritt dringt sie tiefer ein in die Welt von Al Quaida und verliert sich darin. Sie erklärt sich gar bereit, bei einem Selbstmordattentat mitzumachen. Bei einem Sprengstoffanschlag Disneyland Paris soll Europa in Schutt und Asche gelegt werden. Doch die junge Frau bekommt Gewissensbisse und wird zur Verräterin. Der Anschlag misslingt. Der Liebhaber der Wankelmütigen kommt ins Foltergefängnis Guantánamo. Als sie Bilder ihres misshandelten Traummannes sieht, wird Amy zur Furie. Nach einem harten Training zur perfekten Kampfmaschine geworden, zieht sie in bester Rambo-Manier ins Gefecht ...

Holla! Das Stück von Mark Ravenhill in der Inszenierung des Theaters glassbooth ist starker Tobak.
Wenn man von Beginn an als Zuschauer nicht weiß, dass es sich um eine aberwitzige Satire handelt, kann es einen gar schockieren, so sehr wird mit Melodramatikkitsch, billiger Effekthascherei und gruseligen Vorurteilen hantiert. Klischees à la Hollywood eben.
Eine epochale Tragödie in den Händen der (US-) Unterhaltungsindustrie – der blanke Horror!

Glassbooth-Chef Jens Dornheim ist bekannt für provokante Adaptionen. Diesmal "nur" als Regisseur und nicht als Darsteller beim neuesten Projekt der freien Theatergruppe aktiv, legte er eine Aufführung hin, das in keiner Sekunde langweilt. Zumal auch die typischen Dornheim'schen Schweinigeleien nicht fehlen. Sex sells! Nicht nur in Hollywood.

Ein großes Lob an die Darsteller. "Das Produkt" ist ein Zwei-Personen-Stück, bei dem eine Person spricht, die andere schweigt. Dominik Hertrich rauscht als größenwahnsinniger Filmproduzent auf der Bühne mit ganzem Körpereinsatz umher und zieht die Aufmerksamkeit mit großen Gesten lustvoll auf sich. Doch obwohl sie kein einziges Wort sagt und fast die gesamte Zeit über nur dasitzt, stinkt Alexandra "Olivia" Schlösser neben ihm nicht ab. Still und stumm setzt sie Akzente, ihr kühler Abgang am Schluss ist der wahre Paukenschlag.

Wobei, so ganz stimmt diese letzte Aussage nicht. Es gibt da nämlich noch ein Bonbon am Ende. Einen Film. Einen Trailer, um genau zu sein. Der Trailer zum Film von James. Und dieser Clip – der ebenfalls unter der Regie von Jens Dornheim entstand und den die Crew von BS-Films übrigens 4 Wochen lang geschnitten und nachbearbeitet hat – hat es in sich! Er macht nämlich Lust auf mehr. Und damit auch Angst! Kann aus einem derart beknackten Skript tatsächlich ein reizvoller Film entstehen? Kann eine Fassade aus Glamour und Action betäubend auf den Geist vernunftbegabter Menschen wirken und die Rezeption entsprechend beeinflussen? Augenscheinlich ja!

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